Hotstart-Interface für das Behringer DX1000 Mischpult

Um die Hotstart-Buttons des Behringer DX1000 unterhalb der Fader verwenden zu können ist ein externes USB-Interface notwendig. Mit ein wenig Zeit, grundlegenden Elektronik-Kenntnissen und etwas Geduld lässt sich dieses Interface einfach selbst bauen. Diese Anleitung zeigt Dir Schritt für Schritt was Du dazu benötigst und wie Du am besten vorgehst.


ACHTUNG: Dieses Interface funktioniert nur mit Potentialfreien Anschlüssen wie sie beim Behringer DX1000 zu finden sind. Es besitzt keine galvanische Trennung, das Behringer DX2000 ist nicht kompatibel. Auch nicht zu Testzwecken! Gar nicht!


Benötigte Bauteile:

  • Gehäuse: Profitec PB-2
  • Anschlüsse: 10x Klinke 6,3mm Mono ohne Schalter
  • Microcontroller-Board: Vorzugsweise ein Arduino Pro Micro*. Als Ersatz kann auch ein Arduino Leonardo* in kombination mit Jumper Kabeln* verwendet werden.
  • USB-Kabel: Je nach Microcontroller-Board entweder Micro-USB*, Mini-USB* oder USB Typ B*. Das USB-Kabel wird fest verbaut und lässt sich nicht mehr abnehmen sobald das Interface fertig ist. Verwende also bitte dein Micro-USB Handyladekabel nur zum Testen und baue es nicht ein. Außerdem ist ein wenig Planung bezöglich dem späteren Einsatzort ganz nützlich um den Einsatz von USB-Verlängerungskabeln zu vermeiden.
  • Interne Verkabelung: Litze 0,12mm2* oder Litze 0,14mm2
    . An sich tut es jedes Kabel welches mit dem Microcontroller-Board verlötet werden kann ohne einen Kurzschluss zu erzeugen oder abzureißen. So kann z.B. auch Klingeldraht verwendet werden. Ich persönlich bevorzuge allerdings Litze gegenüber dem starren Draht.
  • Fixierung der Bauteile: 3M Klebepads*

Benötigtes Werkzeug:

  • Bohrmaschine und Metallbohrer in den größen 2,0mm, 4,0mm, 6,0mm, 8,0mm und 9,0mm. Falls du nur ein kleines Bohrer-Set bis 8mm hast kannst du entweder ein größeres Bohrer-Set* kaufen, oder das Bohrloch mit einer kleinen Feile vergrößern. Ich habe meine Löcher nur bis 8mm gebohrt und dann mit der Halbrundfeile aus meinem Pferd Schlüsselfeilenset* vergrößert.
  • Feilen: Die Aussparung für das USB-Kabel lässt sich am besten mit einer Rundfeile* erstellen. Diese ist im bereits eben erwähnten Schlüsselfeilen-Set von Pferd bereits enthalten. Solltest du keine Feile zur Hand haben kannst du auch versuchen eine Öffnung mit einem Seitenschneider in der Gehäuse zu schneiden oder mit einer Laubsäge auszusägen. Solltest du auf eine Alternative zur Feile setzen übernehme ich allerdings keine Garantie dass alles so aussieht wie es soll.
  • Lötkolben: Vorzugsweise eine Lötstation mit einstellbarer Temperatur*, ein einfacher Lötkolben* tut es zur Not allerdings auch. Wer keinen Lötdampfabsauger* besitz sollte seiner Gesundheit zuliebe im freien oder in einem gut belüfteten Raum arbeiten. Dies ist vorallem beim Arbeiten mit bleihaltigem Lot zu empfehlen! Welches Lötzinn du schlussendlich verwendest bleibt dir überlassen.
  • Seitenschneider: Ein spezial-Seitenschneider* zum abtrennen überstehender Kabel ist zu empfehlen. Ein normaler Seitenschneider tut's aber auch.
  • Alltagswerkzeuge: Um Notizen zu machen und Bohrvorlagen zu erstellen benötigst du alltägliche Hilfsmittel wie z.B. Stift, Papier, Schere, Doppelseitiges Klebeband oder alternativ Tesa.


Benötigte Software:

  • Arduino IDE: Mit der Arduino Entwicklungsumgebung programmierst du dem Microcontroller-Board am Ende die gewünschte Funktionalität ein.
  • Hotstartinterface-Sketch: Ein von mir geschriebenes Programm welches die Kommunikation des fertigen Interfaces mit dem PC über USB steuert. Dieses Programm läuft am Ende auf dem Microcontroller-Board. DX1000_Hotstart-Interface.zip



Und jetzt stellt sich natürlich die Frage: Wie wird daraus ein fertiges Gerät?


Die Bauanleitung:

Ich versuche diese Anleitung so einfach wie möglich, aber so detailliert wie nötig zu gestalten. Beginnen wir mit den Vorbereitungen!


Das Werkzeug:

Zu Beginn ist es wichtig das Werkzeug zu überprüfen. Alles ist vorhanden, nichts ist beschädigt? Gut, dann auf zum nächsten Schritt.


Das Gehäuse:

Das Gehäuse ist 160mm lang, 95mm breit und 50mm hoch. In die beiden langen Seiten (160mm auf 50mm) werden später die 6,3mm Klinke-Buchsen eingelassen.


Die Bohrschablonen:

Die Anschlüsse für das Mischpult sind sowohl horizontal als auch vertikal zentriert. Damit am Ende alles passt benötigst du eine Bohrschablone für jede zu bearbeitende Gehäuseseite. Die Bohrschablone hat die selben Maße wie die Seitenwand selbst, sodass sie einfach mit doppelseitigem Klebeband am Gehäuse befestigt werden kann. Hier ist exaktes Arbeiten notwendig, da ein kleiner Fehler in der Zeichnung zusammen mit einer kleinen Ungenauigkeit beim Aufkleben der Bohrschablone und einer kleinen Ungenauigkeit beim Bohren zu großen Ungenauigkeiten im fertigen Interface führen können. Da alle Maße für die Bohrschablone Vielfache von 5mm sind lässt sich diese hervorragend auf kariertem Papier zeichnen.


Das Gehäuse bearbeiten:

Sobald die Bohrschablone sitzt kannst du die Löcher bohren. Fange mit dem kleinsten Bohrer (2mm) an, und vergrößere das Loch in 2mm-Schritten bis auf 8mm. Wenn du einen 9mm Bohrer hast kannst du die Löcher direkt auf 9mm aufbohren. Solltest du keinen 9mm Bohrer besitzen so kannst du das Loch mithilfe einer Halbrundfeile auf die richtige Größe erweitern. Überprüfe regelmäßig ob die Klinke-Buchsen nicht schon durch die Öffnung passen um eine zu starke Vergrößerung der Löcher zu verhindern. Passgenaue Montagelöcher sind wichtig für die Stabilität und damit für die Langlebigkeit des fertigen Interfaces. Achte allerdings darauf dass das durch feilen entstehende Mikroplastik nicht verstreut wird. Die Reinigung hinterher wird dadurch leider relativ aufwendig. Sobald alle Löcher groß genug sind kannst du die Bohrschablonen entfernen und die Bohrungen mit einer Halbrundfeile entgraten. Dieser Schritt ist wichtig damit die Klinke-Buchsen am ende gut im Gehäuse sitzen und sich festschrauben lassen. Solltest du keine Halbrundfeile besitzen so kannst du alternativ auch zu etwas Schleifpapier greifen. Zu guter Letzt muss jetzt noch eine Öffnung für das USB-Kabel in eine der beiden kurzen Seiten gefeilt werden. Markiere mit Lineal und Stift die Mitte der Seite, und feile dort mithilfe einer Rundfeile eine Öffnung hinein. Die notwendige Breite und Tiefe der Aussparung hängt von der Beschaffenheit deines USB-Kabels ab. Feile so lange bis das USB-Kabel gut durch die Öffnung passt wenn das Gehäuse mit dem Deckel verschlossen wurde.


Die Schaltung erstellen:

Der Schaltplan ist als Bild eingebunden, eine PDF-Version kann hier heruntergeladen werden:

Schaltplan Behringer DX1000 Hotstart USB-Interface

Die Schaltung ist sehr einfach, sie besteht an sich nur aus 2 Komponenten: Den Klinke-Buchsen und dem Microcontroller-Board. Das ist auch am Schaltplan zu erkennen. Alle Klinke-Buchsen und das Microcontroller-Board bekommen eine gemeinsame Masse(Umgangssprachlich Minus-Pol). Alle Signalabgriffe der Klinke-Buchse gehen direkt auf den entsprechenden Pin am Microcontroller-Board. Es ist keine weitere Hardware zum Debouncing nötig, da in den Programm für den Microcontroller Software-Debouncing implementiert wurde. Weitere Informationen dazu gibt es im Software-Teil.


Litze Da alle Klinke-Buchsen eine gemeinsame Masse haben ist es am einfachsten damit zu beginnen die Buchsen miteinander zu verschalten. Die Masse liegt bei einer Klinke-Buchse immer an dem großen Metall-Ring an, welcher den Stecker führt. Der Kontakt welcher am Metallring anliegt muss nun mit dem Kontakt der neben liegenden Buchse verlötet werden. Verwende zum Verbinden der einzelnen Buchsen lieber zu lange Kabelstücke als zu kurze. Kabel im Gehäuse verstauen ist am Ende einfacher als zu kurze Kabel zu trennen, auszulöten, und durch neue, längere Kabel zu ersetzen. Wenn du diesen Schritt für alle 10 Buchsen wiederholst solltest du am Ende eine Klinke-Buchsen-Kette ähnlich der auf dem Bild rechts haben. Wenn du dir das Bild etwas genauer anschaust könnte dir auffallen dass hier in der unteren Reihe 4 Mono-Buchsen und ansonsten Stereo-Buchsen verbaut wurden. Mono-Buchsen sind hier völlig ausreichend, allerdings hatte der Händler meines Vertrauens leider nicht genügend aus Lager sodass ich auf Stereo-Buchsen ausweichen musste. Stereo-Buchsen haben gegenüber Mono-Buchsen keinerlei Nachteil, sind allerdings teurer im Einkauf. Daher empfehle ich den Einsatz von Mono-Buchsen ohne Schalter.


Setze die fertiggestellte Buchsen-Kette nun Testweise in das Gehäuse ein, um zu überprüfen ob alle Kabel lang genug sind und alle Bohrungen passen. Behebe alle Probleme die dir bei diesem Test auffallen. Passt jetzt alles? Dann geht es weiter mit der Verkabelung zum Microcontroller-Board.

Wenn dein Microcontroller-Board wie hier mit bereits verlöteten Pins geliefert wurde solltest du diese wieder auslöten um das Board später gut festkleben zu können. Das direkte anlöten an das Microcontroller-Board erlaubt eine sehr kompakte Bauweise, sodass das Board nicht im Weg ist wenn an die Klinken-Buchsel Kabel angeschlossen werden. Der Aufbau über ein Steckbrett (ein sogenanntes Breadboard) ist auch möglich, ich kann diesen Weg aufgrund der höheren Störanfälligkeit durch Wackelkontakte allerdings nicht empfehlen.


Die Verkabelung zwischen Microcontroller ist sehr einfach. Löte zuerst die 11 Kabel wie auf dem Bild und im Schaltplan zu sehen an das Microcontroller-Board an. Auch hier ist wieder wichtig dass du die Kabel nicht zu kurz machst. Ich habe mich hier an der Größe des Gehäuses orientiert und die Kabel so lang gemacht wie die Diagonale des Gehäuses. Damit ist sichergestellt dass jede Buchse mit jedem Kabel zu erreichen ist. Wenn alle Kabel an der Platine des Microcontroller-Boards angelötet sind kannst du das überstehende ab-isolierte Kabel mit einem Seitenschneider abschneiden um die Kurzschlussgefahr zu minimieren. Als nächstes kannst du das Kabel mit der Beschriftung "GND" mit der gemeinsamen Masse der Klinken-Buchsen verbinden. Das heißt "GND" mit der bereits bestehenden Verkabelung verbinden. Jetzt sind für die 10 Klinke-Buchsen noch 10 Kabel übrig. Wenn du wie in der Bauteile-Liste beschrieben Mono-Buchsen ohne Schalter gekauft hast, ist an jeder Klinke-Buchse noch ein Anschluss an dem nichts angelötet wurde. Löte an jeden freien Anschluss einer Klinke-Buchse eines der freien Kabel vom Microcontroller-Board. Die Reihenfolge der Kabel bestimmt dabei welche Buchse welchen Software-Input betätigt. Pin 2 entspricht dabei Knopf 1, und Pin 16 entspricht dabei Knopf 10. Die anderen Knöpfe liegen geordnet zwischen diesen beiden Pins. Nachdem alle Buchsen erfolgreich verlötet wurden kannst du deinen Lötkolben aus stecken oder deine Lötstation ausschalten. Jetzt noch die Buchsen am Gehäuse fest schrauben, das USB Kabel anschließen und das Board einkleben. Ein Knoten im USB-Kabel vor der Gehäusewand dient als Zugentlastung. Deckel drauf, und fertig ist die Hardware.


Software:

Voraussetzung für eine Erfolgreiche Programmierung des Microcontrollers ist eine funktionierende Entwicklungsumgebung. Wie du die Arduino IDE für die Entwicklung für einen Arduino Pro Micro einrichtest werde ich an dieser Stelle nicht erklären, dafür gibt es bereits einige Anleitungen. Und wie heißt es so schön: Suchmaschinen sind Freunde, keine Feinde. Ist die Entwicklungsumgebung ein mal eingerichtet benötigst du noch den entsprechenden Programmcode für den Microcontroller.

Entpacke dieses Archiv nach "Dokumente/Arduino":

DX1000_Hotstart-Interface.zip

Du solltest jetzt einen Neuen Ordner namens "DX1000_hotstartinterface" sehen. Öffne den darin enthaltenen Arduino-Sketch. Um das Programm auf das Interface zu schreiben musst du unter Werkzeuge->Board die Auswahl auf "Arduino Leonardo" setzen. Dies sollte auch funktionieren wenn du einen Arduino Pro Micro verbaut hast da die Microcontroller auf beiden Boards identisch sind. Schließe nun das USB-Interface an den PC an. Nachdem alle Treiber installiert wurden kannst du unter Werkzeuge->Port dein Interface auswählen. Durch Drücken der Tastenkombination Strg+U oder über Sketch->hochladen spielst du das Programm auf das Interface auf. Nach kurzer Zeit sollte der PC erkennen dass ein Gamepad angeschlossen wurde. Du kannst das überprüfen indem du die Tastenkombination Win+R betätigst und in das Ausführen-Dialogfenster "joy.cpl" (ohne Anführungszeichen) eingibst. In der Liste der Gamecontroller sollte das USB-Interface zu sehen sein.


Fazit:

Mit ein wenig Ausauer kann man sein Studiosetup selbst um einige Funktionen erweitern. Nicht jedes Mischpult ist mit dieser Lösung kompatibel, aber für das Behringer DX1000 ist eine kompliziertere Lösung überflüssig. Da die Hotstart-Buttons direkt durchgereicht werden und keine elektrische Verbindung zu anderen Teilen des Mischpultes besteht funktioniert dieses Interface auch ohne galvanische Trennung. Für andere Mischpulte wie z.B. das Behringer DX2000 ist eine galvanische Trennung notwendig. Da bei diesem Design jedoch viel Platz im Gehäuse bleibt lässt sich diese Trennung bei bedarf auf einer Lochrasterplatine realisieren und einbauen.


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    Comments 1

    • Diesen Controller hat er bereits für mich gebaut und er erfüllt seinen Dienst zwischen meinem Behringer DX 1000 und mAirList hervorragend. :)